Konzept des Schreibzentrums

Schriftzug Schreibzentrum@studyFIT

Das Schreibzentrum der FernUniversität in Hagen wurde im Mai 2021 gegründet; angesiedelt ist es am neuen Zentrum für Lernen und Innovation (ZLI). Ziel des Projekts ist es, eine zentrale, fach­über­grei­fend­e Anlaufstelle für Fragen des wis­sen­schaft­lich­en Schreibens zu etablieren, die verschiedene Zielgruppen unterstützt, den Austausch über das Schreiben fördert und so langfristig die Studienzufriedenheit erhöht. Die Maßnahmen werden im Rahmen des fachübergreifenden Angebotskanons studyFIT entwickelt.

studyFIT – Fit fürs Fernstudium

Das Hagener Schreibzentrum ist in­sti­tu­ti­o­nell­es Mitglied der Gesellschaft für Schreibdidaktik und Schreibforschung e.V. (GefSuS).

Zielgruppen und Angebote

Das Schreibzentrum richtet sich mit seinen Angeboten gleichermaßen an Studierende, Promovierende und Lehrende aller an der FernUniversität vertretenen Fachrichtungen. Um diese heterogenen Adressatenkreise zu erreichen, werden die Angebote (s. Abb. 1) für verschiedene Formate konzipiert: Zu den bereits begonnenen und geplanten Maßnahmen gehören etwa eine fachübergreifende (Peer-to-Peer-)Schreibberatung, Workshops (in Präsenz, hybrid oder rein digital) zum wissenschaftlichen Schreiben, jederzeit abrufbare digitale Selbst­lern­ma­te­ri­a­li­en und nicht zuletzt Events, die für das vielschichtige Thema Schreiben sensibilisieren. Um die Entwicklung zielgerichtet abzustimmen, wird das Schreibzentrum bei der Konzeption im engen Austausch mit den Fakultäten stehen. Bestehende schreibdidaktische Angebote der FernUniversität werden durch das Schreibzentrum grundsätzlich nicht ersetzt, sondern gebündelt, vernetzt und so noch sichtbarer gemacht.

Abb. 1: Konzeptdarstellung des Hagener Schreibzentrums. (Zum Vergrößern anklicken!)

Textfassung des Schaubilds

Die Konzeptgrafik stellt die bestehenden und geplanten Angebote des Schreibzentrums dar. Abgebildet ist das Schreibzentrum als Haus. Im Dach des Hauses steht der Text "Peer-to-Peer-Lernumgebungen" und darunter "Digitale Studienmaterialien (Moodle)".

Der Hauptteil des Hauses ist in drei Säulen aufgeteilt. Die folgende Tabelle gibt den Inhalt dieser Säulen wieder:

Beratung Kurse Events
  • für Studierende
  • für Lehrende
  • individuell
  • offen
  • digital
zu allen Facetten des wissenschaftlichen Schreibens und zum Schreiben in der Lehre Events, wie z.B. die Lange Nacht des Schreibens (#LANA)

Auf der rechten Seite des Hauses ist ein Post-it mit der Notiz "Gemeinsam weiter im Text!" dargestellt. Im Fundament des Hauses steht: "Schreibzentrum@studyfit. Fachübergreifend, lernbegleitend, unterstützend."


Aufgabe und Themen

Die Aufgabe des Hagener Schreibzentrums lautet im Kern: „Die Begleitung […] im Umgang mit Texten.“ (Bräuer 2016: 339) Es ist ausdrücklich angelegt als Lern- und Wissensressource, auf die jederzeit zurückgegriffen werden kann, um Fragen zum wis­sen­schaft­lich­en Schreiben zu beantworten, vorhandenes Wissen zu vertiefen oder auch akute Probleme zu lösen. Zwei Themen stehen dabei im Vordergrund: Zum einen geht es um wissenschaftliche Texte und hoch­schul­di­dak­tisch­e Textsorten, ihre (sprachliche) Gestaltung, ihre Struktur sowie Fragen der Themeneingrenzung, der Argumentation, der Formulierung einer Fragestellung usw. Zum anderen wird das Schreiben als komplexer Prozess und soziale Handlung angesprochen; hierunter fallen etwa Aspekte der individuellen Schreibstrategie, der Selbstorganisation, des Zeitmanagements, der Überwindung von Schreibhemmnissen und auch des Schreibens in der Gemeinschaft.

Schlagwortwolke zur Arbeit des Schreibzentrums mit Begriffen wie zum Beispiel Schreibprozess, Text-Feedback, Verständlichkeit und Zitieren

Ausgangspunkte

Dem kom­pe­tenz­ori­en­tiert­en Ansatz des Schreibzentrums liegen wesentliche Erkenntnisse der Schreibforschung zugrunde; den theoretischen Hintergrund bilden die pro­zess­ori­en­tiert­e Schreibdidaktik und so­zi­al­kon­struk­ti­vis­tisch­e Lerntheorien. Maßgebend für die konzeptionelle Ausrichtung des Schreibzentrums sind u. a. die folgenden Gesichtspunkte:

  • Schreiben ist ein komplexer, rekursiver Prozess – und wie dieser im Einzelnen verläuft, ist individuell verschieden. Das bedeutet u. a., dass es weder einfache Patentrezepte für den Schreiberfolg noch die eine, richtige Schreibstrategie geben kann. Daher setzt die pro­zess­ori­en­tiert­e Schreibdidaktik „[…] bei den Schreibenden und deren Bedürfnissen an und unterstützt sie dabei, das Wissen und die Strategien zu entwickeln, die sie brauchen – in der jeweils aktuellen Textproduktion und weit darüber hinaus.“ (Bräuer/Girgensohn 2019: VIII) Anders formuliert: Es geht nicht darum, Texte zu optimieren; ein Schreibzentrum ist ganz explizit kein Lektorat oder Korrektorat. Vielmehr wird die Reflexion der Schreibenden angeregt, damit sie selbst den Weg finden, den sie mit ihren Texten beschreiten möchten. In diesem Sinne stellt Schreibberatung „[…] eine begleitete Hinführung zum selbständigen Umgehen mit dem komplexen Schreibprozess […]“ (Brinkschulte 2014: 125) dar. Die individuellen Anliegen der Ratsuchenden stehen dabei stets im Fokus der Beratungstätigkeit.
  • Der Erwerb akademischer Schreibkompetenzen ist langwierig und herausfordernd; die Schreibforschung differenziert verschiedene Entwicklungsschritte, die hierbei durchlaufen werden (vgl. Girgensohn/Sennewald 2012: 28-32 sowie Grieshammer et al. 2019: 15ff.). Eine Erkenntnis ist in diesem Zusammenhang besonders wichtig: Schriftsprachliche Kompetenzen können erlernt (vgl. Ruhmann/Kruse 2014: 17) und durch ausdauernde Übung verbessert werden. Sprich: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, aber wer viel schreibt (und liest), wird sicherer und besser. Dies setzt ein wenig Geduld voraus, schließlich ist es ein Ziel eines Studiums, im Laufe der Zeit und Schritt für Schritt zu lernen, was es bedeutet einen wissenschaftlichen Text zu schreiben. Es ist daher eine wesentliche Aufgabe eines Schreibzentrums, Schreibanlässe zu schaffen und Anregungen zu formulieren, die helfen, das Schreiben zu einem alltäglichen Begleiter in Studium und Lehre zu machen.
  • Und nicht zuletzt: Schreiben muss keine einsame Tätigkeit sein (vgl. ausführlich Fröhlich/Henkel/Surmann 2017 sowie Kruse 2018: 193-196). Aus diesem Grund dient ein Schreibzentrum als ein Ort des vertraulichen Austauschs und neutralen Feedbacks, der Vernetzung und des Schreibens in der Gemeinschaft. Es ermöglicht, anders formuliert, das Sprechen über das Schreiben, denn Fragen und Probleme lösen sich zumeist dann in Wohlgefallen auf, wenn man die Einsamkeit des eigenen Schreibtischs verlässt und mit anderen ins Gespräch kommt. Hierzu gehört auch die Einsicht, dass man mit seinen Fragen nicht alleine ist.

Materialien und Links zum Schreibzentrum

Literatur

  • Bräuer, Gerd/Girgensohn, Kathrin (2019): Geleitwort. In: Grieshammer, Ella et al.: Zukunftsmodell Schreibberatung. Eine Anleitung zur Begleitung von Schreibenden im Studium. 4. unveränd. Auflage. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren, S.VIIf.
  • Bräuer, Gerd (2016): Konzeptuelle Überlegungen zur Ausrichtung von Schreibzentren als Lernzentren. In: Ballweg, Sandra [Hrsg.]: Schreibberatung und Schreibförderung: Impulse aus Theorie, Empirie und Praxis. Frankfurt am Main: Lang, S.337-360.
  • Brinkschulte, Melanie (2014): Kollaboratives Lautes Erinnern als Methode in der Schreibberater*innen-Ausbildung. In: Westphal, Petra et al. [Hrsg.]: Peer Learning durch Mentoring, Coaching & Co. Aktuelle Wege in der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern. Immenhausen: Prolog-Verlag, S.125-135.
  • Fröhlich, Melanie/Henkel, Christiane/Surmann, Anna (2017): Zusammen schreibt man weniger allein. (Gruppen-)Schreibprojekte gemeinsam meistern. Opladen, Toronto: Budrich.
  • Girgensohn, Katrin/Sennewald, Nadja (2012): Schreiben lehren, Schreiben lernen. Eine Einführung. Darmstadt: WBG.
  • Grieshammer, Ella et al. (2019): Zukunftsmodell Schreibberatung. Eine Anleitung zur Begleitung von Schreibenden im Studium. 4. unveränd. Auflage. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren.
  • Kruse, Otto (2018): Lesen und Schreiben. Der richtige Umgang mit Texten im Studium. 3. überarbeitete und erweiterte Auflage. Konstanz, München: UVK/Lucius.
  • Ruhmann, Gabriela/Kruse, Otto (2014): Prozessorientierte Schreibdidaktik: Grundlagen, Arbeitsformen, Perspektiven. In: Dreyfürst, Stephanie/Sennewald, Nadja [Hrsg.]: Schreiben. Grundlagentexte zur Theorie, Didaktik und Beratung. Opladen, Toronto: Budrich, S.15-34.

Schreibzentrum | 18.11.2021