Eine Wiki als Grundlage für einen interdisziplinären Wettkampf?

An der FernUniversität in Hagen fand im Wintersemester 2014/2015 der erste interdisziplinäre und fakultätsübergreifende Wettkampf in Form der Wikiade statt!

Realisiert wurde die Wikiade im Lehrgebiet der Mediendidaktik (Prof. Dr. Theo J. Bastiaens). Die Projektleitung übernahm M.A. Jana Hochberg.

Im Wintersemester 2014/2015 bildete eine Wiki-Plattform an der FernUniversität in Hagen die Grundlage für einen interdisziplinären Austausch in Form eines fakultätsübergreifenden Wettkampfes. In Anlehnung an den olympischen Gedanken wurde die Wikiade umgesetzt.

Die vier Fakultäten der FernUniversität in Hagen standen in einem qualitativen, wie auch in einem quantitativen Wettbewerb. Der spielerisch gestaltete Austausch stand dabei jedoch im Vordergrund, um vor allem bei den FernStudierenden die Barriere der Kommunikation untereinander in ihrer räumlichen und zeitlichen Isolation zu minimieren.

In der Wikiade entstand auf dieser Grundlage ein Netz von Informationen. Insgesamt wurden in der Wikiade 1.587 Seiten angelegt. Mit 225 Artikel wird deutlich, dass 86 % der Aktivität der Nutzenden in den kommunikativen Austausch investiert und dieser entsprechend bedeutsam gewertet wurde. Einzelne Artikel wurden mit eigens von Studierenden erstellten Veranschaulichungen ergänzt. 130 unterschiedliche Grafiken wurden über das Wintersemester in die Wikiade integriert. Weitere Grafiken und Lerninhalte lassen sich zukünftig in ein schon vorhandenes Netz von Informationen integrieren. Die zusammenhängende Darstellung des jeweiligen Lerninhalts unterstützt das Verständnis und den Lernprozess. Ebenso eröffnet sich für jeden Wikioniken die Möglichkeit, sich über angrenzende Themengebiete auszutauschen und dabei auch die Grenzen der eigenen Fakultät zu verlassen. Mit verschiedenen Preisen, wurden qualitative und quantitative Ziele einzelner Wikioniken, wie auch die kooperative Zusammenarbeit und Austausch gefördert. Unterstützt wurde die Wikiade hierbei von der Gesellschaft der Freunde der FernUniversität e.V.

Die Teilnahme an dem Wettbewerb erfolgte freiwillig und in einem informellen Rahmen. Etwa 1.000 Wikioniken nahmen diese Herausforderung an und schrieben gemeinsam um die Wette. Die Wikiade sollte Studierende dazu motivieren, sich über Lerninhalte zu verständigen bzw. diese kollaborativ zu reflektieren und auf neue Umgebungen übertragen. Lehrende erhielten über das Wiki Feedback zum Wissens- und Verständnisstand ihrer Studierenden. Über den gesamten Zeitraum wurden der Prozess des Austausches durch den Einsatz verschiedener motivationaler Elemente, wie differenzierter Hilfeoptionen, individuelle und kollaborative Wettbewerbe und Video-Tutorials mit Infotainment-Elementen, unterstützt. Für die Studierenden der FernUniversität in Hagen wurde der Lernprozess mit Hilfe der Wikiade spielerisch unterstützt.

Mit dem Ende des Wintersemesters 2014/2015 und zum Start des Sommersemesters 2015 beginnt die Evaluation der Wikiade und wird in Form einer Methodentriangulation umgesetzt. Dabei werden qualitative und quantitative Daten nach Flick (2002) und Mayring (2001) miteinander kombiniert. Die quantitative Datenerhebung erfolgt in Form eines Online-Fragebogens. Die qualitative Datenerhebung erfolgt in Form der Online-Ethnographie (Marotzki, 2003), mit Schwerpunkt auf die teilnehmende Beobachtung, welche mit halbstrukturierten Interviews kombiniert wird.

In einer ersten Sichtung der Daten spiegeln sich die Stufen des partizipativen Lernens (Fletcher, 2005) wieder, in denen der Beteiligungsgrad der Wikioniken ausgehend von dem niedrigsten Grad der Partizipation bis hin zum höchsten Grad der Partizipation abnimmt. Der niedrigste Grad der Partizipation in der Wikiade besteht in der Überwindung zur Anmeldung. Aufgrund der geschlossenen Plattform an der sich nur Wikioniken mit einem FernUniversitätsaccount beteiligen konnten, gab es keine nur lesenden und unsichtbaren Teilnehmer (Lurker). Waren noch 100 % der Wikioniken angemeldet, so verteilte sich die Teilnahme wie in dem nachfolgendem Diagramm. Zur aktivsten Zeit, welche am Ende des ersten Monats der Wikiade, in ihrer sechsmonatigen Durchführungsphase lag, waren 57 Wikioniken gleichzeitig aktiv. Diese Anzahl änderte sich mit dem Jahreswechsel auffällig und schwankte am Ende der Wikiade zwischen zehn und fünf aktive Teilnehmende. Auffällig ist dabei, dass die von außen eingefügten Spiel- und Orientierungselemente in Form von den Wiki-Wars und den Orientierungsaufgaben am wenigsten angenommen wurden. In der Planung und Organisation der Wikiade ging das Organisationsteam von der These aus, dass diese die Nutzung der Wiki-Plattform unterstützen könnten.

(Tabelle 1:  Grad der Partizipation anhand einzelner Aktivitätsmöglichkeiten)

(Tabelle 1: Grad der Partizipation anhand einzelner Aktivitätsmöglichkeiten)

Die aktivsten Wikioniken sind zum einen in den beiden größten Fakultäten, den Wirtschaftswissenschaften und den Kultur- und Sozialwissenschaften, zu finden. Wobei die Fakultät der Kultur- und Sozialwissenschaften mit 79,3% gegenüber den Wirtschaftswissenschaften mit einer Teilnahme von 15,4% deutlich dominiert.

Grundsätzlich wurde die Wikiade von den Studierenden der FernUniversität in Hagen begrüßt, was sich in den 36.415 Seitenaufrufen, den 1.587 entstandenen Seiten auf denen 225 Artikel geschrieben und miteinander diskutiert wurden, den 132 hochgeladenen Dateien und 5.737 Seitenbearbeitungen wiederspiegelt. Auch in den bereits geführten Interviews wurde signalisiert, dass die Wikiade auf Interesse bei den Studierenden stößt, sobald es die Zeit der Studierenden zulässt. So schreibt Klaus, die “Wikiade ist ein innovatives Neuland. Problem ist der Lerntransfer, die Produktion von totem Wissen im Studium, man lernt für Klausuren, Scheine, Punkte, bekommt Kompetenzen bescheinigt, aber selbstkritisch kriecht doch der Zweifel hoch, ob man sie wirklich besitzt und nicht nur einer Illusion der Macher aufsitzt, denn nach einiger Zeit sind Begriffe, Wissen, Theorien fast alle wieder bis auf eine dunkle Erinnerung verschwunden, aus dem Bewusstsein getilgt und dem Gedächtnis entfallen. Mit der Wikiade kann man vielleicht einiges vorübergehend mobilisieren, festlegen und lernt obendrein noch den Umgang mit einem Wiki. Eine gute Idee. Nur der zeitliche Rahmen, nebenher zu allem anderen … und man müsste sich richtig hinein steigern, nicht nur ein Alibi-Artikelchen schreiben, um dabei gewesen zu sein, damit man Nutzen daraus zieht.”

Des Weiteren erschlossen sich die Wikioniken die Wikiade auf sehr differenzierte Art und Weise. Einige Studierende experimentieren mit der Form eines “E-Portfolios”, während andere Studierende sich an der Wikiade spielerisch beteiligen, indem sie sich mit dem Nickname “Agent XO” auf der Plattform bewegen.

Kritisiert wird das Design der Wikiade, welches auf dem ursprünglichen Design der MediaWiki beruht. Im Internet werden bereits zahlreiche Lösungen angeboten, mit denen beispielsweise die grafische Oberfläche, wie auch die Integration von Videos oder Bildern, oder die Administration aufgewertet werden können.

Ebenso wird seitens der Nutzenden eine Überarbeitung der vorgegebenen inhaltlichen Strukturierung empfohlen, um den neu angemeldeten Wikioniken eine erste Orientierung zu ermöglichen. Die Strukturierung der Inhalte spiegelte sich bisher in der Auflistung der Studienbriefnummern wieder. Eine Strukturierung über die verschiedenen Module der Lehrgebiete, wurde im bisherigen Verlauf der Wikiade als unterstützender herausgearbeitet.

Dem Forschungsprojekt der Wikiade kommt darüber hinaus eine gesellschaftliche Bedeutung zu, wie der Austausch auf verschiedenen Veranstaltungen wiederspiegelt. Durch die Präsentation der Wikiade als beispielhafte Social Software-Anwendung im Lernkontext auf dem EduCamp 2014 im DGB Bildungswerk Hattingen, wurde die Idee der Wikiade von den anwesenden Bildungseinrichtungen (überwiegend Schulen) positiv aufgegriffen. Von ihr geht die Idee aus, ähnliche Wettbewerbe in Schulkontexten zu integrieren, um den Unterricht anzureichern.

Einerseits geht die Wikiade als Forschungsprojekt zum einen der Frage nach der Nutzung und dem Bedarf der Plattform als Kommunikations- und Austauschplattform für Studierende der FernUniversität in Hagen nach. Andererseits erprobt sie ebenso Lehr-/Lernkonzepte für den allgemeinen Bildungsbereich.

Die Wikiade fand im Rahmen des Social Software-Projekts statt, das vom Rektorat der FernUniversität gefördert wird. Weitere Informationen finden Sie auf dem Social Software-Blog des Lehrgebiets der Mediendidaktik (Prof. Theo Bastiaens) in der Kategorie „Wikiade„. Das Projekt dient der Erforschung und Implementierung verschiedener didaktischer Modelle zum praktischen Einsatz innovativer Social Software in der Hochschul- und Fernlehre. Hierdurch sollen empirisch abgesicherte Empfehlungen für Lehrende und E-Learning-Entwickler zur Potentialausschöpfung zusammengestellt werden.

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