Erfahrung: Stanford

Erwartungen

Auf dem Weg nach Stanford rufe ich mir mein weniges bisheriges Wissen über Stanford in Erinnerung. Stanford gilt erst seit kurzer Zeit als eine exzellente, ja gar herausragende Universität. Mit dem Aufstieg des Silicon Valleys schien auch ihr Aufstieg einherzugehen. Dennoch gilt ihre akademische Leistung heute als exzellent, forschungsstark und rangiert in der Weltspitze ganz oben. 21 Nobelpreisträger lehren aktuell an der Stanford University (Quelle: Webseite Stanford, 2015). Seit ihrer Gründung wurden 30 Fakultätsangehörige mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Heute kann es sich Stanford aufgrund seines Rufes leisten, nur die besten Studenten dank geringer Zulassungsquote aufzunehmen. Daraufhin ergibt sich ein ganz eigener Kreislauf des Erfolges, der höhere Spenden , bessere Betreuung, mehr Doktoranden, bessere Unirankings etc. nach sich zieht.

(In dem Bildungsrundgang, auf dem Slide 1, finden Sie Vergleichszahlen zur Universität in Köln aufgeführt.)

erster Eindruck

Am Bahnhof von Palo Alto am frühen Morgen angekommen, kann ich einfach in einen der wartenden Stanford-Busse einsteigen, um kostenlos auf den Campus gefahren zu werden. Da der Campus mit 3.310 ha jedoch sehr groß ist, erkundige ich mich vorher bei der zusätzlich, neben den Busfahrern bereitgestellten Person, wohin die Busse auf den Campus fahren und welcher Bus meinem Ziel das „CERAS Building (Center for Educational Research)“ am nächsten kommt.

Der Campus ist überwältigend schön. Er ist weitläufig angelegt und ich glaube einen spanischen Stil in ihm zu entdecken. Überall duftet es nach Blumen und auf den Grünflächen stehen Palmen und Nadelbäume. Am besten bewegt man sich auf dem Campus wohl mit dem Fahrrad vorwärts. Von allen Seiten strömen Fahrräder an mir vorbei. In den Pausen ist es an manchen Stellen schwierig den Weg zu wechseln. Auch weitere Shops rund um die wichtigsten Bedürfnisse finde ich auf dem Campus, so erscheint mir nur verständlich, dass die Studierenden auch gerne das Wochenende über in Stanford bleiben.

Education Research Center in Stanford

Nach diesem ersten Eindruck treffe ich Pamela Levine, wissenschaftliche Mitarbeiterin im CERAS Building. Sie hat sich heute für mich Zeit genommen, Vielen Dank dafür 🙂 Auch hier fällt mir auf, dass wieder viele bequeme Sitzmöglichkeiten zum Austausch einladen. Das Büro von Pamela hingegen hat kein Fenster und ist geschätzt vielleicht wenige Quadratmeter groß. Eine riesige Scheibe ersetzt eine Wand, so dass Sie in ständigen Kontakt mit ihren Kollegen stehen kann.

Sie zeigt mir einen großzügig geschnittenen Vorlesungsraum mit gepolsterten für mich riesig erscheinenden Sesseln. Am Beamer erklärt sie mir, dass sie in diesem Semester mit Studenten auf dem Markt befindliche Apps auf ihre Bildungstauglichkeit testet (Bsp. IOS and Android favorites for education). Im letzten Semester hat sie mit den Studierenden eigene Lernumgebung designt. Ein Ergebnis hängt in Form mehrerer touchbarer Bildschirme an den Wänden im CERAS. Über diesen Bildschirm kann sich der Besucher schnell im Gebäude orientieren. Wer sitzt wo? Wer ist für was zuständig? Wie komme ich am Schnellsten dahin?

In der Forschung wird gerade an vier für mich beeindruckenden Projekten gearbeitet:

Projekt 1: SMILE

Mit dem Projekt SMILE (Stanford Mobile Inquiriy-based Learning Environment) wurde eine interaktive Lernumgebung geschaffen, die den eigenen Lernprozess unterstützt. Anwender (Schüler, Studierende, etc.) können multimedial unterlegte Artikel erstellen, die von Mitschüler oder Mitstudierenden in ihrer Relevanz bewertet werden. SMILE kann eingesetzt werden, um:

  • die Lernenden in der Reflexion von Lerninhalten zu unterstützen
  • ermöglicht ein aktives, medial- und communityestützes Lernen von jedem Ort aus
  • ermöglicht durch multimediale Erstellungen seitens des Lerners eine stärkerer Auseinandersetzung mit den Lerninhalten
  • unterstützt kollektives Lernen und Identifizierung mit der Lerngruppe
  • ermöglicht eine aktuelle Übersicht über den Wissensstand des Lerners
  • schafft einen Wettbewerb oder auch eine spielerische Zusammenarbeit

Projekt 2: ROSE 

ROSE (Remotely Operated Science Experiment) ermöglicht Studierenden, die bspw. keine Möglichkeit besitzen auf ein Labor zuzugreifen, die Entwicklung einer Pflanze durch Live-Streaming nach zuverfolgen. Dabei sind die Studierenden in der Lage aus der Ferne externe Einflüsse, wie Belichtung, Wasser, Luft Temperatur zu steuern und das Wachstum der Pflanze zu beeinflussen. Durch den Prozess der Manipulation dieser Instrumente und sofortigen Rückmeldungen werden die Kursteilnehmer in die Lage versetzt, die Beziehungen zwischen den analogen Variablen in die Erdatmosphäre zu verstehen.

Projekt 3: DBL 

DBL (Design-Based Learning) soll die Integration von Design- und Technologietools in der wissenschaftlichen Bildung untersuchen. Dabei werden Lernende in kleineren Projekten im Prozess der Entwicklung, der Umsetzung und der Auswertung von Produkten begleitet. Die verschiedenen Prozesse werden über das Smartephone in einer Art E-Portfolio dokumentiert.

Projekt 4: PocketSchool

Die PocketSchool umfasst Untersuchungen, wie der Zugang zu Bildung in ressourcenschwachen Gebieten, wie bspw. Dritte-Welt Länder unterstützt werden kann.

(In dem Bildungsrundgang, auf der Slide 5 und 6, erhaltet ihr einen Eindruck von CERAS.)

Design Thinking

Danach führt mich Pamela Levine in ein weiteres Gebäude und stellt mir das Innenleben der D.School (Design School) vor. Es ist hell. Überall laden unterschiedliche Sitzgelegenheiten zum Austausch ein. Der enge Arbeitsplatz an den mobilen Wänden soll den Austausch fördern, die beschreibbaren Wände und Fußböden in den wenigen abgeschlossenen Räumen, hingegen die Kreativität.

Design Thinking kann kurz und knapp als innovativer und kreativer Prozess zusammengefasst werden. Was ursprünglich als Innovationsmethode für Produkte und Services in Stanford entwickelt wurde, avanciert heute zu einer ganz neuen Art, den Menschen in Bezug zur Arbeit zu sehen, das Konzept der Arbeit zu denken und zu fragen, wie wir im 21. Jahrhundert leben, lernen und arbeiten wollen.

Design Thinking basiert auf der Annahme, dass Probleme besser gelöst werden können, wenn Menschen unterschiedlicher Disziplinen in einem die Kreativität fördernden Umfeld zusammenarbeiten, gemeinsam eine Fragestellung entwickeln, die Bedürfnisse und Motivationen von Menschen berücksichtigen, und dann Konzepte entwickeln, die mehrfach geprüft werden. Das Verfahren orientiert sich an der Arbeit von Designern, die als eine Kombination aus Verstehen, Beobachtung, Ideenfindung, Verfeinerung, Ausführung und Lernen verstanden wird.

Design Thinking besteht aus den drei Hauptkomponenten:

  • Multidisziplinäre Teams – Vielfältige, innovative Ideen entstehen am besten in starken und multidisziplinären Teams.
  • Prozess – Der Weg zu innovativen Ideen besteht aus einer Folge von sechs Schritten, die iterativ durchlaufen werden: Verstehen, Beobachten, Sichtweise definieren, Ideen finden, Prototypen entwickeln und Testen.
  • Variable Räumlichkeit – Erfinderisches Entwickeln gedeiht in einer Kultur der offenen Zusammenarbeit in variabler, auf Flexibilität ausgerichteter Arbeitsumgebung.

(In dem Bildungsrundgang, auf dem 7 und 8, findet ihr euch in der D.School in Stanford, wieder.)

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