Lurking in Massive Open Online Courses (MOOCs)

In ihrer BA-Arbeit ging Frau Martina Giebkes dem Phänomen des Lurking (eine passive Nutzungsform in Online Lehrveranstaltungen) im Kontext von Massive Open Online Courses (MOOCs) nach. Bislang gibt es kaum empirische Studien, die sich mit motivationalen Fragen des Lurking in MOOCs beschäftigen (auch weil MOOCs ein relativ junge Lernform sind). Folgende Fragen sollten untersucht werden:

  • aus welchen motivationalen Gründen nehmen Lurker an einem MOOC teil?
  • welche Motive veranlassen sie dazu?
  • welchen Nutzen versprechen sie sich von der Teilnahme?
  • welche Nutzungsmöglichkeiten bevorzugen sie bei der Bearbeitung?

Mit einer Online Umfrage (115 Teilnehmende aus MOOCs, 67 Lurker) wurden diese Fragen bearbeitet, was zu folgenden Ergebnissen führte:

  • Aktive Teilnehmer haben ein signifikant höheres Interesse als Lurker.
  • Die Amotivation ist signifikant höher bei Lurkern als bei aktiv Teilnehmenden.
  • Hinsichtlich der Motive, der Nutzungsmöglichkeiten, der intrinsischen Motivation und auf den Stufen der externalen, introjizierten und identifizierten Regulation konnten keine signifikanten Unterschieden zwischen den Gruppen festgestellt werden.

Weitere Informationen zur Studie finden sich hier:

PowerPoint_BA_Martina_Giebkes_PDF

Vielen Dank an Frau Giebkes für die Veröffentlichung Ihrer Folien.

 

 

 

Anspruch und Wirklichkeit zum Lernen im Social Web

Es ist eigentlich keine große Überraschung, dass sich in der Dissertation von Birgit Spies “Lernen im Social Web. Eine Vergleichsstudie mit deutschen und amerikanischen Studierenden” erhebliche Unterschiede hinsichtlich der beiden Konstrukte ergaben.

So zum Themenkomplex Lernen (S. 211):

Der Lernbegriff wird von den Studierenden beider Länder unterschiedlich assoziiert: Deutsche Studierende verbinden Lernen eher mit der Auseinandersetzung mit unbekannten Themen und der Bearbeitung von Skripten als amerikanische Studierende. Amerikanische Studierende verbinden Lernen eher mit dem Gewinnen von neuen Ein- bzw. Ansichten und der Erweiterung von Lebenserfahrung als deutsche Studierende.

und zum Bereich informelles Lernen in sozialen Netzwerken (S. 213):

Informelles Lernen in Sozialen Online Netzwerken hat sich zumindest für einen Teil der Studierenden etabliert. Das Netzwerk wird jedoch von den Studierenden unterschiedlich genutzt: Deutsche Studierende nutzen das Soziale Online Netzwerk eher für Organisation und Absprache, amerikanische Studierende eher zur Weitergabe von Wissen.

Überraschend im Sinne von “es gibt keine klaren Befunde” dürfte es eher für alle sein, die in Web 2.0 und Social Media so starke Kräfte sehen, um das Lernen zu revolutionieren. Es ist prinzipiell auch wenig sinnvoll, Technologien per se bestimmte pädagogische Qualitäten zuzusprechen. Das wird zwar durchaus von der Bildungsindustrie immer wieder versucht, nur um dann enttäuscht zu reagieren, wenn sich die Hoffnungen (wie in der oben genannten Dissertation) nicht bewahrheiten.

In ihrem sehr lesenswerten Artikel zeigen Edward Hamilton und Norm Friesen auf, mit welchen Mythen nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in der Wissenschaft gearbeitet wird, wenn es darum geht, die Vorteile von “neuen Medien” anzupreisen. Sie unterscheiden dabei zwei gleichermaßen problematische Orientierungen:

1. Essentialismus (=die Annahme, es gibt bestimmte, inhärente Eigenschaften, die außerhalb unseres Einflussbereichs sind)

Essentialism privileges technology itself in assessing its social value. Here, it is expected that technical functionality will lead to the realization of an associated human potential once the technology is in place. In online education research, this approach is evident in the vast number of studies that claim an intrinsic connection between learning systems and some school of pedagogical thought and practice – most frequently constructivism or cognitivism. (p. 4f)

2. Instrumentalismus

Whereas essentialist accounts internalize social functions to technology, instrumentalism privileges users and their pre-defined goals. In instrumentalist accounts of online education, the functional moments of education (delivering content, providing feedback, conducting research, scaffolding, etc.) are described and then linked to the abstract features of a technology. (p. 7)

Es scheint somit wichtig, nicht per se mit bestimmten Erwartungen und Werthaltung an die pädagogische Arbeit mit Technologien zu gehen. Spannend wird es doch ohnehin erst dann, wenn Technik auf Menschen trifft. Denn wer kann schon so genau antizipieren, was dann passiert. Ethan Zuckerman gibt in seinem Buch “Rewire” zahlreiche Beispiele dafür, wie im Unterschied zu geplanter bzw. vorgeschriebener Nutzung, Menschen Innovationen verwendeten.

Für die Bildungswissenschaft ergibt sich dadurch nicht weniger, sondern eher mehr Arbeit.

 

 

Macht Facebook wirklich glücklich?

Facebook, Twitter, Google+ und Co. sind deshalb so beliebt, weil sie mit kurzen Statusmeldungen (Like, Favorite) einen ständig aktuellen Informations(zu)fluss gewährleisten. Es steckt jedoch noch mehr dahinter. Wie in dieser Studie (Abstract, PPT-Zusammenfassung) gezeigt wird, hat das Posten von Statusmeldungen einen Einfluss auf die empfundene Verbundenheit und das Einsamkeitsempfinden. Teilnehmende aus der Experimentalgruppe wurde gebeten, in einem bestimmten Zeitraum mehr Statusmeldungen als sonst üblich zu veröffentlichen. Die Kontrollgruppenteilnehmende sollten unverändert posten.

Es zeigte sich dann, dass diejenigen, die mehr als bisher posteten, sich weniger einsam fühlten und mehr mit anderen verbunden. Interessanterweise zeigte sich dieser Effekt auch dann, wenn die Statusmeldungen nicht auf Reaktionen stießen. Also auch dann, wenn es kein Like für einen Beitrag gibt.

 

 

Social Software bei Verbänden und Parteien – Der Partizipationsmythos

Gerade erschien bei der Otto Benner Stiftung die Studie “Der Partizipationsmythos”. Entgegen der oft verbreiteten Ansicht, dass Social Media zu höherer Beteiligung der NutzerInnen führen, konstatiert diese Untersuchung:

“Verbände und Parteien nutzen soziale Medien vorwiegend für Verlautbarungen und Einweg-Kommunikation. “

Eine aktive Beteiligung von Interessengruppen scheint somit nicht die Regel zu sein. Stattdessen geht es primär um den “Vertrieb” von Informationen, also die klassische Pressearbeit, die bisher über Zeitung, Rundfunk und Fernsehen stattgefunden hat. Allerdings handelt es sich dabei um  One-To-Many Medien, die Botschaften an möglichst viele Menschen übermitteln, ohne dabei jedoch Aufschluss darüber zu haben, ob diese auch tatsächlich ankommen.

Mit dem sog. “Mitmach-Web” kann sich das radikal ändern, da nun im Prinzip alle Empfänger der Botschaft die Möglichkeit haben, diese zu kommentieren. Im Prinzip meint dabei, dass neben einem Internetanschluss auch die Kompetenz und die Bereitschaft vorhanden sein sollte, sich mit digitalen Medien auseinanderzusetzen. Wie die bekannte 90-9-1 Regel von Nielsen nahelegt, ist die Möglichkeit zur Partizipation in der Realität weniger technisch als sozial bzw. individuell eingeschränkt.

Problematisch ist, und das macht die Studie deutlich, wenn die Partizipation von vornherein eingeschränkt wird und ein Mythos konstruiert wird:

“Viele Verbände versprechen eine neue Mitmachkultur, mehr Transparenz und damit eine lebendigere Demokratie. In der grauen Wirklichkeit finden sich vor allem Einbahnstraßenangebote“, so der Leiter der Studie, Olaf Hoffjann.

Zertifikat zum MOOC #exif13

Liebe Teilnehmende im MOOC #exif13,

Sie möchten gern Ihre Teilnahme am ExIF13 zertifiziert haben? Dann senden Sie bitte eine Email mit dem Betreff “ExiF13 Zertifikat” an Markus Deimann und Sebastian Vogt. Bitte teilen Sie uns darin folgende Informationen mit:

* Name, Vorname
* Wohnanschrift
* Geburtsdatum und Geburtsort

* Links zu allen medialen Artefakten, an denen Sie während des ExIF13 beteiligt waren und mit denen wir Ihre Kompetenzentwicklung messen dürfen.

Bei weiteren Fragen bitte fragen.

Grüße vom cMOOC-Team,

Markus Deimann und Sebastian Vogt

Welche Unterrichtsmedien sind für welche Unterrichtsmethoden geeignet? Einige grundsätzliche Vorüberlegungen.

Dieser Blogbeitrag beleuchtet die Frage, mittels welcher Analyseschritte Lehrpersonen Medien für Ihren Unterricht systematisch auswählen können und gibt einige Faustregeln an die Hand, die zu einer fundierteren Medienwahl in der Bildungspraxis beitragen können. Dabei erfolgt zugleich eine kurze Einführung in die Ansätze des  Instruktionsdesigns (nach Merrill, 2002) und der instruktionalen Medienwahl (nach Sugrue & Clark, 2000), welche die wissenschaftliche Basis für die hier gemachten Überlegungen bereitstellen.

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Erste Auswertung zum MOOC #iddg13: Diskussionsschwerpunkte

Woche 1: Lehren und Lernen in der digitalen Gesellschaft
Das mit 51 Beiträgen am intensivsten diskutierte Thema war „Mobiles Lernen mit dem Handy in der Schule – Herausforderung und Chance“. Zentrale Aspekte dieser Diskussion, waren neben den Potenzialen des mobilen Lernens, wie einem ubiquitären Zugang zu Lehrinhalten, auch dessen Probleme, wie die oft noch fehlenden didaktischen Einsatzkonzepte für Smartphones, das mancherorts innovationsfeindliches Klima in Schulen und das Risiko für die Kinder, auf ein wertvolles technisches Gerät Acht geben zu müssen.

Mit 41 Beiträgen ebenfalls stark frequentiert war das Thema „Digital Natives“, in dem die wissenschaftliche Legitimät und der empirische Geltungsbereich  dieser Generationendiagnose differenziert diskutiert wurde.

Woche 2: Informationsmanagement: Brücke zwischen Business und IT
Am meisten diskutiert war mit 32 Beiträgen das Thema „Beteiligungen in sozialen Organisationen/Non-Profits“. Zentral war die Frage, inwieweit auch nicht gewinnorientierte, soziale Organisationen das Web-2.0 für ihre Wertschöpfungsprozesse nutzbarmachen können.

Mit 20 Beiträgen folgt das Thema „WKI“ (Webbasierte kollektive Intelligenz). Im Zentrum der Debatte stand die Frage, ob die webgestützte Partizipation an unternehmerischen Entwicklungsprozessen ein weiterer Entwicklungsschritt hin zum „arbeitenden Kunden“ ist oder ob letztlich beide Seiten Vorteile davon haben.

Woche 3: “Internetanschluss – für die eigenwirtschaftliche Lebensführung von überragender Bedeutung”
Mit 24 bzw. 20 Beiträgen wurde die Debatte von den Treads „Grundrecht auf Internet“ und „Was würden wir nur ohne Internet machen“ beherrscht. Dabei stand besonders die Frage im Vordergrund, ob das Schlagwort vom „Grundrecht auf Internet“ nicht konsequenterweise auch ein Grundrecht auf die den Zugang ermöglichenden technischen Gerät impliziert. Daneben wurde diskutiert, inwieweit es sinnvoll ist, den Internetanschluss in die Klasse der Güter aufzunehmen, die für die eigenwirtschaftliche Lebensführung von überragender Bedeutung sind.

Woche 4: “Digitale Unterschriften und Zertifikate – Mit wem rede ich gerade im Internet?”
Mit 30 Beiträgen stand in dieser Woche das Thema „Gibt es Unterschiede zwischen Vertrauen im echten Leben und im Web?“ im Vordergrund. Zentral für die Diskussion war die Frage, ob internetvermittelte Kontakte grundsätzlich weniger vertraulich als Echtweltkontakte ausfallen müssen und welche unterschiedlichen Vertrauensindizien im Web und in der Echtwelt zur Verfügung stehen.

Daneben wurde auch die nicht ganz unproblemtische Einrichtung eines Zertifikats für die Fernuni-Mailadressen der Teilnehmer thematisiert.

 

Insgesamt zeigte sich eine lebhafte und fundierte Diskussion, die viele Aspekte der aktuellen Debatten zur digitalen Gesellschaft aufgriff. Wir hoffen, dass sich diese spannende Auseinandersetzung an anderen Stellen im Netz fortsetzt.

Die größte Facebook-Studie aller Zeiten

Auf der Webseite 3tn wird über die größte Facebook-Studie, die bislang gemacht wurde berichtet. Die Stichprobe umfasst ca. 0,1% aller Facebook NutzerInnen weltweit. Diese haben mit dem sog. „Personal-Analytics“-Tool, entwickelt von Stephen Wolfram ihr eigenes Profil analysiert.

Damit handelt es sich hier nicht um die sonst üblichen Hochrechnungen, sondern um “echte” belastbare Daten, mit deren Hilfe sich wohl auch so einige Mythen, die rund um Facebook ranken, ausräumen lassen.

Bericht zum Einsatz von Social Software in der Hochschullehre

Im Weiterbildungsblog von Jochen Robes wird auf einen Bericht zu Einsatzmöglichkeiten sozialer Medien an den Hochschulen verwiesen.

Aus dem Abstract:

Die wachsende Verbreitung sozialer Medien und Netzwerke stellt die Hochschulen vor neue kommunikative Herausforderungen. Soziale Medien tragen zu einem stärkeren Austausch der Hochschulen mit ihren Anspruchsgruppen und einer neuen Dynamik akademischer Kommunikation bei. Soziale Medien wie facebook, LinkedIn, Twitter, YouTube, Flickr oder SlideShare fördern Austausch, soziale Interaktionen und Kooperation im Internet, begünstigen die Partizipation von Internetnutzern an der Online-Kommunikation und machen Benutzer damit – zumindest potenziell – zu aktiven Produzenten. Angesichts der wachsenden Akzeptanz sozialer Medien und der starken Präsenz junger Menschen vor allem in sozialen Netzwerken bedienen sich auch Hochschulen zunehmend interaktiver Medien und Internet-Plattformen. Die für die Hochschulen geeigneten Einsatzbereiche differieren erheblich voneinander. Für die Hochschule als Gesamtsystem bietet sich unter anderem die externe Öffentlichkeitsarbeit, für Forscher der Austausch auf Wissenschaftsplattformen und für Lehrende die Seminarkommunikation an. Der folgende Beitrag zeichnet exemplarisch Möglichkeiten der Nutzung sozialer Medien in der Hochschulpraxis nach und beleuchtet Besonderheiten, die dabei zu berücksichtigen sind

Der vollständige Beitrag ist hier (PDF) zu finden.